Sonntag, 31. Juli 2011

Swissness






Nachdem es ja neuerdings Mode geworden ist, alles sogenannt "schweizerische"
mit dem abscheulichen Begriff "Swissness" zu "labeln",
habe ich mir, am Vorabend des Nationalfeiertags, ein wenig
den Kopf zerbrochen, was ich in meiner Jugend noch ganz selbstverständlich
mit dem Begriff Schweiz verbunden habe.




Nun ja, die Swissair selbstredend,
... aber die machte ja anno 2002 Pleite.





Das Postauto und damit die PTT, aber
das Monpol für Telefon und Telegraf
ist ja vor Jahren gefallen...



... und
seit mich die Post letztes Jahr versehentlich für "Verstorben"
erklärt und meine Rechnungen an die jeweiligen Absender
zurückgeschickt hat, kommt da auch nicht
mehr die alte Begeisterung auf.





Nun, immerhin hat das Postauto unbeschadet seinen hundertsten
Geburtstag hinter sich gebracht. Das erste Postauto verkehrte am
01. Juni 1906 von Bern nach Detligen BE.
Und das berühmte Dreiklanghorn ertönte zum
ersten Mal 1923 und ist heute ein eingetragenes
Markenzeichen der PostAuto AG Schweiz.
Die Tonfolge Cis, E und A stammt aus dem Andante der
Ouvertüre zu Rossinis Oper “Wilhelm Tell”

„Tü-ta-tooo-poschtautooo“





Das Schweizer Armeesackmesser, vulgo Swiss Army Knife,
wohl bald nur noch gegen Waffenerwerb-
und Tragschein erhältlich.
Und am Flugplatz wirds einem dann sowieso
gleich wieder weggenommen, obwohl ich noch nie gehört habe,
dass ein Schweizer mit seinem Sackmesser ein Flugzeug gekapert hätte.


Währenddem die Roger Staub Mütze, die unser Olympia
Sieger im Riesenslalom 1960

bekannt machte, unterdessen von Bankräubern,
Sturmtruppen und

Terroristen weltweit zweckentfremdet wird...
Sollte man da vielleicht ein
nationales Register aller Roger Staub
Kappenkäufer einführen?




Fast alle heimischen Biere sind
entweder verschwunden, oder in die Hände
internationaler Grosskonzerne übergegangen.




Das Signet der Actienbrauerei Anker ziert
immerhin noch Modelleisenbahnwagen.




Wer nun ebenfalls ins Sinnieren gekommen ist, kann sich fragen,
welche dieser einst urschweizerischen Produkte
es überhaupt noch gibt,...




...und wieviele davon noch in Schweizerhand sind...





...und so über die Vergänglichkeit des Seins
nachdenken...





Wer hätte damals gedacht, dass
der Stumpen weitgehend
aus dem Alltagsbild der Schweiz verschwinden würde...





Dass die Basler Tramstation, nach dem einst stolzen
"Schweizerischen Bankverein" benannt,
heute politisch korrekt "Bankenplatz" heissen würde...





Dass die elektronische Revolution der "Hermes Baby "
den Garaus machen würde...





Wer wusste damals, dass es Betty Bossi, die unterdessen mindestens
an die 90 Jahre alt sein müsste, gar nie "wirklich" gegeben hat...




... was der Künstler Ben Vautier 1982 an der
Weltausstellung in Sevilla ja von der Schweiz grosso modo,
auch behauptet hatte...
In der Zeit, als die untenstehenden Plakate
entstanden sind, war man von solchen
nagenden Selbstzweifeln doch noch einigermassen
gefeit.




Ein paar weitere Jahre zuvor, hatte man alle Hände voll damit zu tun,
dass die Schweiz überhaupt weiterexistierte...



...und wie die Schweiz der Zukunft
aussehen wird, weiss niemand,
Trotzdem wär ich gespannt, ob das Land
seinen 800 Geburtstag im Jahr 2091 noch erleben wird.