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Sonntag, 28. August 2011

St. Jakob an der Birs

Basler Staatsarchiv

So idyllisch war die Umgebung noch um 1824,
als an der Weggabelung der Landstrassen nach
St. Jakob und Münchenstein
das erste St. Jakobsdenkmal von
Marquand Wocher entstand.
Nach wenigen Jahrzehnten aber wurde es baufällig und
ein neues Denkmal wurde geplant.
Der Künstler Ferdinand Schlöth musste mehrere Entwürfe
einreichen bis er allen Ansprüchen gerecht wurde und dabei
angehalten, die “Weiblichkeit” der Helvetia deutlicher
herauszuarbeiten.



Heute steht das St. Jakobs Denkmal,
1872 feierlich eingeweiht, etwas verloren im Verkehrsgewühl.

Die Geschichte des Denkmals und weitere
Informationen zum Schlachtgeschehen finden sich unter

www.altbasel

Das Denkmal erinnert an die Schlacht an der Birs,
wo am 26. August 1444
rund 1200 Eidgenossen verstärkt durch etwa
zweihundert Baselbieter sich
dem Armagnakenheer des französichen Dauphins
mutig entgegenwarfen, wie es in
der bis 1961 gültigen Schweizer Nationalhymne
„Rufst du mein Vaterland“ besungen wurde:
„Heil dir, Helvetia!
Hast noch der Söhne ja, Wie sie Sankt Jakob sah,
Freudvoll zum Streit!“
In meiner Kindheit galt Meinrad Lienerts Schilderung
des Schlachtgeschehens noch
weitherum als unbestritten.

www.sagen.


In neuerer Geschichtsschreibung ist die Uebermacht
der Armagnaken
von früher 40’-50’000 wundersamerweise auf
8000-10’000 Mann geschrumpft und
dem Kampfesdurst
der Eidgenossen steht man erheblich nüchterner,
wenn nicht gar ein wenig
verständnislos und irritiert gegenüber.

Ein Bote aus Basel, Friedrich von Strassburg, der vor der
Uebermacht warnen wollte,
wurde nämlich von den Eidgenossen
mitsamt seinem Pferd umgebracht, da er sie mit seiner
Warnung "wollt zaghaft machen".
Sie bedrohten die eigenen Hauptleute, die vor der
Ueberquerung der Birs warnten
mit dem Tod, und stürzten sich dann in wilder Raserei
dem vielfach überlegenen Feind
entgegen.




Das eidgenössische Heer wurde fast vollständig aufgerieben.
Der französische Dauphin
soll angesichts der verheerenden Verluste
die seinem Heer zugefügt worden waren, von einem
weiteren Vormarsch ins Gebiet
der Eidgenossenschaft abgesehen haben.
Heute wird sogar bezweifelt, ob er diese jemals
ernsthaft hatte angreifen wollen.





Burkhard Münch, ein französischer Ritter
verspottete die sterbenden Eidgenossen.
„Ich blicke in einen Rosengarten, den meine
Vorfahren vor hundert Jahren gepflanzt haben“
Der zum Tod verwundete Hauptmann der Urner, Arnold Schick,
richtete sich mit der letzten Kraft auf und rief,
einen Stein nach dem Ritter schleudernd: "Da friss eine der Rosen!"



Ein im 19. Jahrhundert beliebtes Bildmotiv, wie man
überhaupt die Schlacht noch ganz als heroische
Rettung Basels und der
Eidgenossenschaft verstand. Man begann
ihrer mit aufwändigen
Festen feierlich zu gedenken.
Ein erstes Denkmal wurde 1824 eingeweiht,
das heutige stammt von 1872.

Während des Zweiten Weltkriegs und im Kalten Krieg,
bis weit in die fünfziger Jahre hinein, galt die Schlacht als
Beispiel der erfolgreichen
Anwendung der „Militärdoktrin des hohen Eintrittspreises“.
Wie dem auch sei, jedenfalls errangen sich die Eidgenossen
bei St.Jakob einen Ruf,
der sie für etliche Jahrhunderte zu begehrten und
gutbezahlten Söldner machte, bis das
«Bundesgesetz, betreffend die Werbung und den
Eintritt in den fremden Kriegsdienst vom
30. Heumonat 1859» den Dienst in
schweizerischen Söldnertruppen verboten.
Das MStG von 1927 erlaubt fremden Militärdienst nur
noch im nationalen Interesse.
Eine ausnahme bildet die Schweizer Garde im Vatikan.

Sonntag, 25. August 2024

Henmann Sevogel - St. Jakob an der Birs

 

 Der Brunnen vor der Martinskirche
erinnert in der Volksmeinung an Henman Sevogel.
Hauptmann einer Truppe von ungefähr
300 Mann aus der Landschaft Basel.
 
 




Er  fiel am 25. August 1444 in der Schlacht von
Sankt Jakob an der Birs.
Auch die Sevogelstrasse wurde nach
ihm benannt. 
Die bewegte Geschichte des
Brunnens ist auf
https://altbasel.ch/fussnoten/brunnen_sevogelbrunnen.html
nachzulesen.
 
 

 
Unsereins ist noch mit dem
Schulwandbild von Otto Baumberger gross geworden.
 
 

 
Und die Heldentaten der 
Altvorderen...
 

 
 ... wurden noch
in der damaligen
Nationalhymne besungen.
 
 


In Liestal erinnert das Wandbild
von Otto Plattner 1939
an die Schlacht vor
580 Jahren.
 
 

 






Samstag, 4. Juli 2015

Cervelat - Klöpfer




Bei dem momentanen
Prachtswetter kann man eigentlich
 nur über Glace, Bier oder eben
 den “Klöpfer” schreiben.


DIE schweizerische Nationalwurst, auch
 unter der Bezeichnung “Cervelat”  oder
 "Stumpen" bekannt, von der
 jährlich 160 Millionen
 Stück  produziert, werden.
Im Durchschnitt also 20 Cervelats
 pro  Kopf und Jahr.



In der Mundart  heisst es
"dr Klööpfer",
bei "Servelat"
wird jedoch  auch z.T.
der feminine Artikel verwendet.

Gegessen wird der Klopfer
auf mannigfaltige Weise:




„roh“ also  “vo Fuscht“ ( von Faust), 
mit Brot und Senf, 
auch „Waldfest“ genannt...




...  oder, ebenfalls roh als Bestandteil 
des Wurst- oder Wurst - Käsesalats ...




   ...  gegrillt ...





   Mit dem Schweizer Sackmesser
 an den Enden eingeschnitten, auf einen,
ebenfalls mit dem Sackmesser 
zugespitzten Stecken  gespiesst...





... und über dem offenen Feuer
gebraten.




   ...  längs eingeschnitten,
 mit Käse gefüllt und 
mit Speck umwickelt 
(Arbeiter-Cordon bleu)

Spitznamen wie Arbeiterkotelett,
Büetzerforelle oder Proletenfilet
weisen darauf hin, woher die
Beliebtheit des Klöpfers stammt.
Die geräucherte Brühwurst
 war lange Jahre 
wichtiger Bestandteile
 des Speisezettels 
der Arbeiterschaft.


     Ob in heissem Wasser oder in der
Suppe warmgemacht, ob
   in Scheiben geschnitten und 
in der Bratpfanne gebraten,
oder als Cervelat-Gulasch
 wurde er auf vielfache
Weise in der Küche genutzt.



Donald Brun

So gesehen wäre der
oft abschätzig verwendete Begriff
"Cervelatprominenz"
eigentlich eine Auszeichnung.

Um den Klopfer entbrannte auch der
"Basler Wurstkrieg"

Im Frühsommer des Jahres 1890
 hoben die Basler Metzger 
 die Preise für Cervelats, 
Rauchwürste und Landjäger um 
30 Prozent an.
 Der Antiwurstverein 
rief zum Wurstboykott auf.




 Im Hinblick auf den gefährdeten
Wurstverkauf anlässlich der
bevorstehenden, jährlichen Schlachtfeier
  sahen sich die Metzger gezwungen, die
 Preiserhöhung wieder 
rückgängig zu machen.

1891 wurde der Cervelat zum ersten
Mal im Zusammenhang mit
dem Schweizer Nationalfeiertag,
dem 1. August, erwähnt und
entwickelte sich fortan
zur Wurst der Nation.




Ab 1. April 2006  durften wegen  des
 an die EU  Vorschriften angepassten
 Lebensmittelgesetzes keine brasilianischen
Rinderdärme, die als Wursthaut
dienten,  importiert werden.
2008 gingen die Reserven zu Ende.




Dem  Cervelat drohte das Aus.
Die ganze Nation bangte
 um ihre Wurst.

 Erst 2012 wurde wegen
 des herabgestuften
BSE-Risikos ein Schlussstrich
unter die nationale
“Cervelat-Krise” gezogen.

Montag, 6. Januar 2014

Phil Everly





Am Freitag, dem  3. Januar  ist Phil Everly, 
19. Januar 1939 - 3. Januar 2014 
der Jüngere der Everly Brothers, 
kurz vor seinem 75. Geburtstag  gestorben.





Vor knapp zehn Jahren traten die Everly Brothers
im Rahmen der Simon und Garfunkel Tournee 2003/04
auch  im St. Jakob Stadion in Basel auf und intonierten 
zusammen das legendäre «Bye Bye Love».
Schon damals war seit  ihrer ganz
 grossen Zeit fast ein halbes 
Jahrhundert vergangen.
Viele ihrer Hits waren aber dem Publikum durch 
spätere Coverversionen bekannt.
Etwa “Cryin in the rain” von A-ha” oder “Love hurts” 
von “Nazareth”, meist allerdings ,
ohne zu wissen, dass die Everlys 
 die Originalinterpreten waren.






In ihrer erfolgreichsten Phase von 1957 bis 1962 
hatten die Everly Brothers 19 Top-40-Hits in den USA
 und beeinflussten die berühmtesten  Gruppen 
wie die Beatles, die Hollies, die Byrds,
Simon und Garfunkel und die Beach Boys.




In jüngster Zeit scheint man sich wieder auf die Verdienste
der Everly Brothers zurück zu besinnen.
2013 nahmen die Chapin Sisters das Tribute - Album 
'A Date With the Everly Brothers' auf.




Ebenfalls Ende letzten Jahres veröffentlichten 
Norah Jones' und Billie Joe Armstrongs
 "Foreverly" 





Dawn McCarthy und Bonnie Prince Billy.
„What The Brothers Sang“ 

Montag, 13. Juni 2016

Holleeschloss - einst und jetzt




Johann Jakob Schneider, 
Gesamtansicht von Basel 
vom Holee nach Nordosten, 
im Vordergrund Holeeschloss,
 im Hintergrund Tüllingen, 
Weil, Riehen, Bettingen und 
St. Chrischona, 
1846, Aquarell, Staatsarchiv Basel-Stadt.




So also sah die Umgebung
des von David Joris
erbauten Holleeschlössleins
 um 1850 noch aus.




Das Holleequartier, Anfang 
des zwanzigsten Jahrhunderts.
 Das einst eher
etwas verrufene Quartier,
war in den letzten
Jahrzehnten einem
gewaltigen
Wandel ausgesetzt.
Eine traditionelle
Beiz nach der andern
fiel dem Baggerzahn zum
Opfer.




Das ehemalige Schulhaus
wurde zum Ortsmuseum
umfunktioniert.




Die Grenze zu Basel
bildet  bis heute noch der
Dorenbach, der 1873
umgeleitet und
in einen engen
Kanal gezwängt
wurde.




In jüngster Zeit musste das Werkareal der
Firma Stamm weichen...




... um einer Neuüberbauung Platz zu machen.

Irgendwo ist nach einigem
Suchen noch das Schloss auszumachen,
das in einem Meer von Neubauten
fast untergeht.






Unweit davon erstrahlt, frisch renoviert,
das 1642 erbaute Sutterhaus, ...




... eines der ältesten
Häuser Binningens, ...




... das lange Jahre dem Zerfall
 anheim gegeben war.

Samstag, 31. Juli 2010

1.August


Seit 1891 ist der 1. August Nationalfeiertag, aber erst seit 1993 nach einer Volksinitiative auch arbeitsfrei. Am 1. August 1910 wurde von "Pro Patria"die erste Bundesfeierkarte, gestaltet vom St. Galler Künstler Richard Schaupp (1871-1954) angeboten. Die Karte trug den Titel „Die Wächter der Heimat". 1923 wurde das 1. August-Abzeichen eingeführt, 1938 erschien als drittes Sammlungsmittel die erste Bundesfeier-Marke.



2010 hat Pro Patria beschlossen, die Sammelergebnisse für den Erhalt des legendären Panoramabildes der Schlacht bei Murten im Jahre 1476 zu verwenden und das Rundgemälde künftig der Schweizer Bevölkerung und den Gästen unseres Landes zugänglich zu machen.

www.propatria.ch




Als ich noch Kind war, wurde am ersten August noch insbrünstig „Heil dir, Helvetia“ gesungen.





Heil dir, Helvetia!
Hast noch der Söhne ja, Wie sie Sankt Jakob sah, Freudvoll zum Streit.




Nun ja, es war die Zeit des Kalten Krieges, als Major Hans von Dachs Büchlein „Der totale Widerstand, Kleinkriegsanleitung für Jedermann“, selbst unter Pfadfindern kursierte und der „BöFei“ (Böse Feind) sozusagen jedenTag vor der Türe stehen konnte.





Steh'n wir den Felsen gleich, Nie vor Gefahren bleich, Froh noch im Todesstreich, Schmerz uns ein Spott.

„Heil dir, Helvetia!“ oder „Rufst du, mein Vaterland“ war die Nationalhymne der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1811 bis 1961. Der Text stammte von Johann Rudolf Wyss, gesungen wurde zu der Melodie von „God save the Queen“ Von den insgesamt 7 Strophen reichten die ersten zwei völlig aus, um patriotisch völlig berauscht, dazu überzugehen, das seit Wochen gebunkerte Feuerwerk abzubrennen... 1962 wurde die Nationalhymne abgelöst...




Heute sitzt Helvetia auf der Kleinbasler Seite auf dem Brückenkopf der Mittleren Brücke und blickt nachdenklich flussabwarts. Die sitzende Helvetia wurde von der Künstlerin Bettina Eichin um 1979/1980 erschaffen.




P.S. Johann Rudolf Wyss verfasste nicht nur den Text zur früheren Schweizer Nationalhymne , sondern bereitete auch den Text seines Vaters „Der Schweizerische Robinson“, im englischen Sprachraum als „Swiss Family Robinson“ bekannt, zur Veröffentlichung vor. Sein Vater, der Berner Stadtpfarrer Johann David Wyss hatte die Geschichte in den Jahren 1794 bis 1798 für seine vier Kindern erfunden. Der erste Teil erschien im Jahre 1812 unter dem Titel „Der Schweizerische Robinson oder der schiffbrüchige Schweizer-Prediger und seine Familie . Ein lehrreiches Buch für Kinder und Kinder-Freunde zu Stadt und Land“ Disney machte Anfangs der Sechziger Jahre einen Film daraus.