Mittwoch, 4. November 2009

Rorschachtest




Beim Berufsberater gabs den Rorschachtest.
“Wo sehen Sie denn das alles?“
fragte er mich konsterniert, als ich nicht
aufhören wollte, Dinge in
 die Kleckse hineinzusehen
oder herauszulesen.




Der Rorschachtest basiert auf der von
Hermann Rorschach 
* 8. November 1884; † 2. April 1922
postulierten Neigung, Interpretationen
 und Gefühle auf
mehrdeutige Anreize zu projizieren, 
in diesem Falle Tintenkleckse.

Ich verstand wieder mal nicht, was
 denn daran so Besonderes sein sollte.

In den sich verformenden Wolken
 am Himmel Gestalten zu sehen,
war mir ein Zeitvertreib 
von Kindsbeinen an.




Auch in
verwitterten Felsen oder Baumstrünken
 Gnome, Riesen oder sonstige
Märchenwesen zu erkennen, 
etwas Selbstverständliches.

Ich hatte auch schon früh durch 
meinen Grossvater von
Leonardo da Vincis Rat gehört,
 in altem Gemäuer Dinge zu
„schauen". In «Trattato della Pittura»
, rät er, sich von zufälligen
Flecken auf Mauern oder
 Gestein zu neuen Sehweisen
und Kompositionen anregen zu lassen.




Auch bereitete es mir nie Mühe,
 in ein Bild „hineinzusteigen“,
es sozusagen als Tor zu andern
 Welten zu nutzen und mich
dann in der Welt des Bildes 
fortzubewegen. Aehnlich wie
Ray Bradbury es in seinem
 „Der illustrierte Mann“ schildert, wo
ein Mann einem Tramp begegnet
 dessen Körper über und über mit
Tätowierungen bedeckt ist, 
die ihm eine alte Frau, eine
Zauberin aus der Zukunft, auf die 
Haut tätowiert hat. Nachts beginnen
die Körperbilder zu leben und erzählen
Geschichten von 
möglichen Zukunftswelten.





Auch von Max Ernsts „Frottagetechnik“
 hatte ich damals schon gelesen,
wenn ich auch nicht ganz verstand, warum der
darob so ein Aufheben machte.




Max Ernsts 1925 Frottagetechnik 
entstand laut seinen Aussagen
aufgrund einer "visionären 
Heimsuchung": "...die meinem
faszinierten Blick die Fußbodendielen
 aufdrängte, auf denen
tausend Kratzer ihre Spuren 
eingegraben hatten. ... um
meine meditativen und halluzinatorischen
 Fähigkeiten zu unterstützen,
machte ich ( ... ) eine Serie von 
Zeichnungen, indem ich auf sie ganz
zufällig Papierblätter legte und diese
 mit einem schwarzen Blei rieb. ...
da war ich überrascht von der plötzlichen 
Verstärkung meiner visionären
Fähigkeiten und von der halluzinatorischen
 Folge von gegensätzlichen
und übereinandergeschichteten Bildern, ... .."
 (Max Ernst: "Au delà de la peinture"),

War nun das, was mir ganz
 selbstverständlich schien,
etwas Minderwertiges oder
 etwas Aussergewöhnliches?


Link

P.S. Immerhin hat auch 
der Regisseur Robert 
Siodmak den Rorschachtest
 im Spielfilm
«The Dark Mirror» (1946) 
eingesetzt und Ray Bradbury 
hat eine wunderbar seltsame
Erzählung über den «Mann im 
Rorschach-Hemd» geschrieben (1969).... 
ganzzu schweigen eben
vom „Der illustrierte Mann“
wikipedia.org/wiki/Der_illustrierte_Mann