Freitag, 17. November 2017

Schwarz = rassistisch?




Einmal mehr:
So ändern sich die Zeiten!
James Browns Ausspruch 
scheint heutigentags
überholt, ja geradezu 
verpönt zu sein.

Der Münchner Linken-Stadtrat Orhan Akman
argwöhnt, dass der Begriff
"Schwarzfahrer"
die Hautfarbe bestimmter Menschen
 in einen negativen Kontext stellt.

“Einige Mitmenschen 
verletzt es, wenn von 
Schwarzfahren und Schwarzmarkt
 gesprochen wird ...” meint auch 
 Kijan Espahangizi in der





... in dem Artikel “Man wird wohl
 noch Mohrenkopf sagen dürfen!“




Befindlichkeiten der sogenannten,
larmoyanten
"Snowflake Generation"?

Wer stellt hier
"schwarz" in einen
generell negativen Kontext
- und warum?

Ist nun schon allein
die Verwendung 
des  Wortes “schwarz” 
Ausdruck einer  "rassistischen"
 Grundeinstellung?
Oder ist die Diskussion
Ausdruck eins
simplifizierenden
"schwarz-weiss" Denkens?

Wird  nun die (unbunte) Farbe
Schwarz zum
verteufelten Unwort?




Ist es schon heikel, schwarzen Kaffee
zu trinken?




Wird die Schwarzwälder Kirschtorte
mit ihrer höchst verdächtig - dunklen
Schokoladenraspelung
bald ebenso verpönt sein, wie
der Mohrenkopf?

Zementiere ich eine "abendländische
Dominanzkultur ", wenn ich
zur Adventszeit
"Im Schwarzwald steht es Hüsli"
anstimme.




Muss man gar Deutschland grösstes
Mittelgebirge ganz umbenennen?


So wären dann alle Berge
und Ortsnamen wie
Schwarzberg oder Schwarzenberg
kritisch zu hinterfragen.



Auch der Schwarzsee im Sensebezirk,
der seinen Namen dem Riesen
Gargantua verdankt,
der darin seine schmutzigen
Füsse wusch, birgt ungeahntes
Konfliktpotential.
Vielleicht müsste man ihnen
Unbuntsee umtaufen?
Ebenso den "Schwarzwasser" genannten
Nebenfluss der Sense.





Und der Begriff "Schwarzwild"
wäre dann ja auch äusserst problematisch.




Ganz so einfach wird es dann doch nicht sein.
Schon Harry Belafonte wunderte sich weiland
 darüber, das Joachim Fuchsberger freiwillig
den Spitznamen “Blacky” trug.

Andere Länder, andere Sitten.




Aeltere Menschen werden sich noch
 erinnern, dass vor einigen Jahrzehnten
die Kampagne “black is beautiful”
 in aller Munde war....






... und "schwarz" noch ganz
anders verstanden werden wollte.
Seit den 1950er Jahren, habe
ich mehrere Neuschöpfungen
und Ersatzbegriffe für die ehedem übliche
Bezeichnung
 "Negro "miterlebt.– Black People –
Coloured People – African-Americans






Jim Kelly, "The Black Samurai"
hatte offenbar keine Berührungsängste,
 das Wort "Black"
in seinen Filmtiteln zu verwenden.







Gar das zu Recht verpönte
Schimpfwort "Nigger" wurde
seinerzeit in Blaxploitation - Filmtiteln
als Zeichen trotziger Selbstbefreiung
verwendet.





Wie gesagt: Die Zeiten ändern sich.




Heute wird bereits darüber
spekuliert, ob Arnold Schwarzeneggers
Name verunglimpfend
etwas mit "schwarzem Nigger"
zu tun haben könnte.



Um einer allfälligen seelischen
Verletzungsgefahr vorzubeugen:
Die Egge ist ein landwirtschaftliches Gerät
und schwarz heisst eben schwarz.

Zwar wird  der Farbe Schwarz,
bei uns oft eine negative
 Bedeutung zugemessen
(schwarze Liste, schwarzes Schaf,
 Schwarzmarkt, Schwarzbrennerei,
 Schwarzarbeit, Schwarzgeld,
Sich schwarz ärgern, Schwarzseherei,
 Schwarzmalerei, schwarze Magie,
Schwarzer Peter, Schwarzes Loch.
Jemanden anschwärzen,
Pechrabenschwarz, etc)

 Schwarze Tiere (Raben, Katzen, Hähne)
 gelten als unheilvoll und werden mit
dem Teufel in Verbindung gebracht...





... aber bereits beim schwarzen Humor,
wird es schon etwas schwieriger
mit der Negativzuordnung.




Die mittelalterliche Kinderschreckfigur
des "Schwarzen Mannes"
hat nichts mit "kolonial
geprägten Vorurteilen"
 und nichts mit "People of Color" zu tun,
sondern dürfte einen
ähnlichen Ursprung haben,
wie die Begleitfigur des
 Nikolaus, der "Schmutzli"
(Knecht Rupprecht)




Andererseits gilt der Kaminfeger als
 "schwarzer Mann" als
ausgesprochenes Glückssymbol.

Schwarze Zahlen schreiben,
oder etwas "schwarz auf weiss" 
haben, ist ebenfalls
durchaus positiv besetzt.

Schwarz gilt bei uns
 auch  als elegant...




... und vornehm.


Nach einer Umfrage der
 Firma, buytshirtsonline.co.uk,
wie  Farben an Menschen
wahrgenommen werden
schnitt Schwarz weitaus am besten ab.
Die Farbe vermittle positive
Eigenschaften wie
 Selbstbewusstsein, Intelligenz,
Seriosität und Attraktivität.





Schwarz gilt auch als Farbe der Trauer.
Bis vor wenigen Jahrzehnten
waren die Zeiträume  genau bestimmt,
in denen die Trauerfarbe zu tragen war.






Der Schütze hingegen freut sich über
 einen Schuss “ins Schwarze”, wie ins
“Schwarze treffen” auch in der 
Umgangssprche positiv besetzt wird.




In vielen Kampfkünsten − wie 
Jiu Jitsu, Judo, Taekwondo 
und Karate −kennzeichnet 
der Schwarze Gurt den Meistergrad.
(Währenddem der blutige Anfänger einen
weissen Gurt trägt.
was ja dann auch irgendwie
diskriminierend wäre. )

 Beispiele liessen sich, so man will,
fortsetzen.

Nicht zuletzt ist "Schwarz"
hierzulande auch ein weitverbeiteter
Familienname, ebenso in den
deutschsprachigen Nachbarländern.
Schwarz belegt den 19. Platz 
unter den häufigsten deutschen 
Familiennamen. In Österreich
 den 21. Platz.


Die Katholiken in der Schweiz, immerhin
eine Minderheit von  rund 38% der Bevölkerung,
werden seit Jahrzehnten
als die ” Schwarzen”bezeichnet  und heute gerne
als "rückständig" belächelt.
Wird dadurch  die Hautfarbe
bestimmter Menschen in einen
negativen Kontext gestellt?




Und es gibt  zudem Mitmenschen,
 die sich seit alter Zeit
freiwillig  und mit Stolz
 “Schwarzbuben” nennen.





Die Amtei Dorneck-Thierstein
 im Kanton Solothurn wird 
auch Schwarzbubenland genannt,







Der Ursprung der Bezeichnung ist unbekannt,
 Er kann sich auf  die schwarze Tracht,
auf aufmüpfige Buben, auf Schwarzbrennerei
oder das in  der grenznahen Region beliebte
 schmuggeln («schwärzen») beziehen,
oder eben darauf, dass Schwarzbubenland 
 zusammen mit seinem Kanton katholisch blieb.




Und im Hauptort des angrenzenden
Laufentals, wohnen die "Mohren",
was wiederum aber auch nichts mit
"dunkelhäutigen Mitmenschen" zu tun hat,
sondern mit Wildsauen.

Donnerstag, 16. November 2017

Der Teppichklopfer - Carpet Beater




Einige wollten einst darin ein Symbol
weiblicher Herrschaftsansprüche sehen,
eine Art Zepter der Hausfrau.






Heute ist der  Teppichklopfer,
kunstvoll aus Rattanrohr geflochten,
ebenso wie die dazugehörige ...




... Teppichklopfstange,
so gut wie verschwunden.




Der Staubsauger hatte
ihn überflüssig gemacht.




Zu literarischen Ehren
 verhalf dem Teppichklopfer
Ian Fleming.




James Bond, Agent 007,
wurde im ersten Roman
"Casino Royale" von dem
grausamen "Le Chiffre"
mit einem Teppichklopfer malträtiert.






Hin und wieder kam
der Teppichklopfer auch ...




... bei veralteten
Erziehungsmethoden zum Einsatz.






Unzählige Witzzeichnungen machten den
 Teppichklopfer zu einem Wahrzeichen
weiblicher Dominanz...





... und Gerüchten zufolge, soll er als
solches in einschlägigen Kreisen 
nach wie vor in Gebrauch sein.




Mittwoch, 15. November 2017

Urban Gwerder - Hotcha



Urban Gwerder
 ( 5. September 1944 in Basel bis 4. Juli 2017 )
wurde  Ende der 1960er bis Mitte der
 1970er Jahre durch eine Reihe
verschiedener Aktivitäten in der
schweizerischen Subkultur bekannt.




Er war eine Art Hansdampf in allen Gassen, ...




... war Publizist,  Performer und Lyriker,



 Herausgeber der 
Underground Zeitschrift "Hotcha", ...




"Hotcha" war die erste europäische
Zeitschrift die sich dem
1966 von John Wilcock und
Walter Bowart gegründeten
US-amerikanischen „Underground
 Press Syndicate“ (UPS) anschloss.
 Die angeschlossenen Publikationen konnten
 im freien Austausch Artikel
übernehmen und veröffentlichen.




Hotcha publizierte internationale
Erstveröffentlichungen und exklusive
 Beiträge von unter anderem Julian Beck,
 Robert Crumb, Henryk M. Broder,
 Nicolas Devil, Sergius Golowin, James Koller,
 Tuli Kupferberg, Gary Snyder, Gilbert Shelton,
Ed Sanders, Olaf Stoop und
Frank Zappa.
Antonholz Portmann fabrizierte
 Comics, H.R. Giger
und Franz Anatol Wyss zeichneten
 graphische Beiträge.

Allerdings klingt das jetzt alles etwas
grossartiger, als es war.
Die von Strassenverkäufern
vertriebene Zeitschrift
hatte eine Auflage von etwa 1000 Stück.
Manche der insgesamt  57 (62 ?)
Hefte umfassten  grad mal
ein gefaltetes A3 Blatt.
Das Layout schwankte zwischen
dilettantisch und visionär und nahm
so manches der "New Wave"
der 8oer Jahre vorweg.




2008 erschien "Hotcha 2008".




Gwerder  führte ein umfangreiches
Frank Zappa-Archiv,
hier ein Artikelausschnitt von ihm über
 Zappa in der Zeitschrift "Pop".




...  zwischen 1966 bis 1976 war
er dessen „Hofarchivar“.






Er veranstaltete mit H.R. Giger 1967 die
 Poetenz–Show, eine Poetry–Performance,




Mit Fredi M. Murer drehte er 
1966 den Experimentalfilm
 Chicoree, hielt Lesungen im
 Arts Lab London, im
 Paradiso Amsterdam und in 
der Volkshochschule Zürich.
und wurde
 1969 von der „Kritischen Untergrundschule
 Schweiz“ (KUSS) 
zum Ehrendoktor Dr. h.c. KUSS ernannt.




Zwischen 1978 und 1992 lebte er
als Tierheilkundiger, Hirt und
Bergbauer in Graubünden.




Ab 1993 war er bis zu seinem Tod
 wieder in Zürich.
Hin und wieder trat er als Gastdozent
an Gymnasien und Musikhochschulen auf.



Seine selbstverfasste Bio-Bibliograviech
findet sich auf der Homepage
"Motz el son"