Sonntag, 3. März 2013

Zehn kleine Negerlein






Der Zählreim "Zehn kleine Negerlein"hiess
ursprünglich "Ten Little Injuns"
und stammt von
Septimus Winner 11. Mai. 1827 - 22. November 1902
und wurde durch Frank J. Green in der Zeit
nach dem amerikanischen Bürgerkrieg,
also kurz nach der Aufhebung der Sklaverei,
 zu "Ten little Niggers" umgearbeitet.

Bekannt wurde das Lied durch Minstrel
Sänger, weisse Sänger die ihre
Haut schwarz bemalten und so Schwarze nachahmten.
Das Liedchen entstand also in einem durch und
durch von Rassismus geprägten Umfeld.

Als Kind hatte ich aber nicht das Gefühl,
dass der Abzählvers "Zehn kleine
Negerlein" in irgendeiner Form die
Negerlein schlecht machen würde.
Ich empfand vielmehr den ganzen Abzählvers
 als solchen irgendwie als beängstigend
und hatte eher Mitleid mit ihnen.

Bereits im Jahre 1950 machten sich
aber Walter Widmer und der
Basler Grafiker Heiri Strub
daran, eine Neuvariante zu gestalten, über die ich
aber nichts näheres in Erfahrung bringen konnte.




Die verschiedenen Varianten von Agatha Christies
"gleichnamigen" Kriminalroman
zeigen aber, dass man sich allenthalben mit
dem Titel schwertut.




Die Variante der "Toten Hosen" scheint jedenfalls nicht als
diskrimierend empfunden zu werden...


Nun haben  die  Inquisitoren der “Political Correctness”
 einmal mehr wieder zugeschlagen.
Der Thienemann Verlag hat in den Kinderbuchklassikern...





 “Die kleine Hexe” und “Der Räuber
Hotzenplotz” das Unwort “wichsen” gestrichen
und durch ein “zeitgemässeres” ersetzt.

Ja warum das denn????
Weil heutigentags weder Fussböden...





 ...noch Schuhe
 eingewichst werden?





Oder haben die guten Menschen etwa
gar an eine andere, die vulgär-umgangssprachliche
 und geschlechterdiffamierende Bedeutung
für (männliche) Selbstbefriedigung gedacht???
"Honi soit qui mal y pense"

In seiner Begründung führt der Verlag an,
dass auch in den Märchen
der Gebrüder Grimm der Begriff „Dirne“
 irgendwann durch „Mädchen“
 ersetzt worden sei, weil Dirne heute
anders verstanden würde, als zu Grimms Zeiten.

Zeit dafür, Theodor Fontanes
"Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland"
einer "behutsamen Modernisierung" zu unterziehen.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

Ganz offensichtlich ein potentieller Kinderschänder???
der sich mit seinen Birnen an Minderjährige heranmacht??



Im gleichen Zug wurden auch Begriffe wie
"Negerlein, Eskimofrauen" und "Hottentottenhäuptling"
eliminiert.

Auch wird in der  der für diesen Sommer
geplanten Neuauflage das Wort
„Neger“ gestrichen.






Vielleicht sollte auch Michael Ende's "Jim Knopf"
etwas "eingebleicht werden, denn ganz
offensichtlich handelt es sich bei ihm
auch um einen dunkelhäutigen Mitmenschen.
(der erst noch raucht!!!)

Die Liste der "schwarzen Schafe" ist
lang .

Mani Matters “Eskimo”  bedarf offenbar ebenfalls 
dringendst einer Ueberarbeitung, wie ja
Anlass zu Empörung gab



"Kennet dir das Gschichtli scho
vo dem armen Eskimo
wo in Grönland einisch so
truurig isch um ds Läbe cho."











Und dann erst Astrid Lindgrens “Pippi Langstrumpf ”
wo allein der sexualsierende Nachname das Mägdelein auf
ein Mädchen mit Strapsen reduziert....
und dann erst  noch dieser Vorname ....!!!!!!
der doch überdeutlich auf eine Vorliebe für Urophilie
hinzuweisen scheint?






Und ihr ganz und gar nicht
“artgerechter ” Umgang mit Tieren....???!!!
Sind solche Bilder heute noch zumutbar?




Ich stehe dieser unter unter den Fahnen der " Political Correctness"
betriebenen Bereinigung von Texten und Geschichten
der"behutsame Modernisierung" und "sprachlichen Ueberarbeitetung"
 mit mehr als Unbehagen gegenüber.
Säuberungsaktionen gegen "schädliches
 und unerwünschtes Schrifttum"
erinnern fatal an dunkelste Zeiten.

Der dogmatische Anspruch
im Besitz der alleinseligmachenden Definition von
"Korrektheit" zu sein, diffamiert jede andere Meinung .

Und die Zeiten des
Zeiten des" Index Librorum Prohibitorum", jenes von der
römisch-katholischen Inquisition geschaffenen Verzeichnisses
(von jedem Katholiken bei Strafe der Exkommunikation)
verbindlich verbotenen Bücher, wünsche ich mir
unter keiner neuen Etikette zurück.

Pippi's Papa darf kein "Negerkönig" mehr sein,
sondern wurde zum Südseekönig umfunktioniert.
Ja, ist das jetzt nicht auch
irgendwie diskriminierend, wenn die
Bevölkerung Polynesiens nun
plötzlich den "Schwarzen Peter" fassen muss?
Und überhaupt, ...
die zutiefst undemokratische
Herrschaftsform eines Königs passt
doch keineswegs mehr in unsere Zeit.


Ebenso soll  der amerikanischer Verlag von Mark Twains
„Huckleberry Finn“ das
Wort „Nigger“  durch den offenar
zeitgemässeren  und weniger
 anstössigen Begriff „Sklave“ ersetzt haben,
der offenbar jedem Kind geläufig ist.





Die kürzlich
abgewiesene Klage
des kongolesischen Politikwissenschaftlers
Mbutu Mondondo gegen den 1931
erschienenen Band „Tim im Kongo“ wegen
Rassismus und Förderung der Apartheid,
ist mir zwar aus Sicht des Klägers
verständlich, scheint mir aber
trotzdem nicht der richtige Weg zu sein.

Das Werk soll in Grossbritannien,
den USA und Südafrika
bereits verboten
worden sein.





Anstatt sich mit den zeitverhafteten
Vorurteilen, Stereotypen
und Zerrbildern auseinanderzusetzen,werden
die Vorurteile tabuisiert.
Konfliktangst, getarnt als Korrektheit?
Tabuisierung anstatt Auseinandersetzung?

Die Vorstellung, dass durch
Verdrängung und Verbote
mehr Toleranz und Verständnis erreicht werden kann,
erscheint mir mehr als fraglich.


Für Kinder unverständliche, altertümliche , negativ besetzte,
oder ausgestorbenen Worte und Begriffe  liessen
sich auch in einem Vor-oder Nachwort in
ihrem historischen Kontext erklären
und erläutern. Damit wäre wohl den Kindern ebenso gedient,
wie überbesorgten Eltern und überforderten Pädagogen.





Ein Beispiel wäre Gotthard Erlers
"Der kinderleichte Fontane"