Samstag, 12. September 2009

Karl Jauslin


Karl Jauslin * 21. Mai 1842 in Muttenz, BL † 12. Oktober 1904
war ein bekannter Schweizer Historienmaler dessen Bilder zur Schweizer
Geschichte sich weit über die vorletzte Jahrhundertwende hinaus grosser
Beliebtheit erfreuten.
Karl_Jauslin


Alles aus dem Kopfe“
Karl Jauslin – ein „Phantast“ aus dem basellandschaftlichen
Muttenz, dessen Imaginationskraft in hunderten
von historisch-phantastischen Zeichnungen zum Ausdruck kam.
Jauslins Bilder zur Schweizer Geschichte , angefangen
bei den Höhlenbewohnern und Pfahlbauern
waren „lebende Bilder“ voller dramatischer Bewegung.
Mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik
machten seine Akteure theatralisch das Geschehen
verständlich, wobei sagenhafte Begebenheiten,
Legenden und historisch Verbürgtes oft ineinander
verschmolzen. Sie erfreuten sich lange über
seinen Tod hinaus grosser Beliebtheit,
schmückten Kalender und waren in jeder Schulstube und
manchem Wirtshaus in der ganzen Schweiz zu finden.



"Das Erdbeben zu Basel 1356"


„Sobald ich einen Bleistift, einen Griffel und ein Stück Papier erhaschen
konnte, musste gezeichnet werden...“ schreibt Karl Jauslin
über seine Kindheit . Es war ein harter und entbehrungsreicher
Weg, bis der Sohn eines MuttenzerLandjägers endlich
Ehre und Anerkennung für seine Leidenschaft ernten sollte.

Der 16 jährige Karl musste nach dem Tod des Vaters als
Maurerhandlanger und Fabrikarbeiter die Familie miternähren,
bevor eine Lehre als Dekorationsmaler machte.
Doch diese entsprach nicht seinen Träumen:

„Ich war nur Anstreicher und Farbenreiber und meine Ideale
gingen fast in Trümmer. Elf Jahre lang musste ich so
dahinvegetieren.“

Im Winter ging er von Muttenz zu Fuss nach Basel um
Zeichenunterricht zu nehmen, was sich auszahlte, als der Deutsch-
Französische Krieg von 1870/71 ausbrach.

Die Zeitschrift „Ueber Land und Meer“ suchte einen „Zeichner und
selbständigen Compositeur von Schlachtenbildern“

Jauslin sandte eine schnell ersonnene Skizze der Schlacht von Wörth
ein und wurde kurz darauf nach Stuttgart berufen.

„Hier arbeitete ich nun Tag und Nacht, nach Zeitungsnachrichten
brühwarme Schlachtenbilder und musste sie sofort auf
Holz zum Schnitt zeichnen.
Es ging wie geschmiert und die Deutschen
kamen kaum nach mit Siegen, so schnell zeichnete
ich drauflos-und alles aus dem Kopfe.
Wer wusste das- der Leser? Ha, kaum einer!“


Endlich hatte er Erfolg, konnte Geld nach Hause überweisen
und sich an der königlichen Kunstschule in Stuttgart einschreiben.

Jauslin reiste als Portätmaler und Zeitungsillustrator
nach Ludwigshafen, München und Wien. Zeichnete ein Festalbum zur
400 Jahr Feier der Schlacht von Murten.
Er gestaltete Festumzüge für Bern 1882, das Kleinbasler Jugendfest 1883,
Rheinfelden und Schaffhausen 1885 und das
Festalbum zur Sempacher Schlachtfeier 1886


Diese damals beliebten historischen Umzüge wurden oft von
„Kostümkaiser“ in Basel ausstaffiert, dessen Kataloge von
Jauslin gezeichnet und aquarelliert wurden.
Nach seinen Vorlagen wurden die Kostüme dann geschneidert.



Am 25. September 1904 schritt auch er selber, malerisch gekleidet
als Bannerträger zu der Liestaler Einweihung des
Denkmals für die Opfer des Bauernkrieges.
Bevor sich der Festzug jedoch formierte, erlitt er einen Schlaganfall, an
dessen Folgen er am 12.Oktober 1904 verstarb.

Nach Hans A. Jenny / Baselbieter Originale 1995