Montag, 17. Juni 2019

Der Untergang des amerikanischen Bisons.




Seit einiger Zeit werden
auch in der Schweiz
auf einigen Bauernhöfen
 amerikanische Bisons
gehalten.
Mehrfach wurde von Todesfällen
 infolge Viruserkrankungen
berichtet.
 So vermeldete der 
Schweizer Bauer“ den Tod  des
1000kg schweren Bisonstiers
Geronimo infolge des durch Schafe
übertragenen 
„Bösartigen Katarrhfiebers“.

Aehnliche Meldungen gab 
es aus dem  Rheintal oder
dem Tierpark "Langen Erlen" in Basel,
wo zwar Wisente an 
derselben Krankheit eingingen.





Diese Vorfälle haben  mir eine
 Theorie in Erinnerung gerufen, 
die besagte,
dass die Bisons in den USA 
möglicherweise nicht 
nur durch  die exzessive Bejagung,
sondern auch durch einheimische oder
eingeschleppte Seuchen 
und Viren fast ausgerottet wurden.

Wo ich diese Theorie vor 30 oder mehr 
Jahren gelesen habe,  und von wem
sie stammte, weiss ich nicht mehr,
Auch konnte ich damals nichts 
Näheres dazu in Erfahrung bringen.
Ich habe gehofft, dass 
man nach so langer Zeit
 mehr darüber weiss.




Offenbar hat, bis auf 
aber kaum jemand 
die Theorie untersucht,
 überprüft, weiterverfolgt
oder widerlegt.

Das mag mehrere Gründe haben. 





Die Bilder der grossen, Abschlachterei durch 
die Büffeljäger waren so 
erschütternd und überwältigend,
dass ihre  Evidenz unbestreitbar schien.




Ausserdem ist die
fast industriell betriebene
Ausrottung der Bisons
durch die Büffeljäger
vielfach und gut dokumentiert,
und ihr Anteil am Untergang 
des Bisons soll keineswegs
in irgendeiner Form 
herabgemindert werden.




Ich mag mich noch erinnern,
 dass  in meiner Kindheit
im Zolli Basel auf einer Infotafel so
 ein Knochenberg vor dem Bisongehege
 gezeigt wurde.
Ich habe diese Infos, völlig
 beeindruckt von diesem 
Bild, nie in Zweifel gezogen, 
bis ich dann irgendwann mal 
diesen  genannten 
Artikel zu lesen bekam.


Ganz generell muss man auch in 
Betracht ziehen, dass das Wissen um
Tierseuchen sehr jung ist. 
1842 bzw  1849  wurde der Erreger
 des Milzbrands Bacillus anthracis,
der Erreger der Rinderseuche 
 gar erst 1902 entdeckt.

 So stellen  die Tierärzte Murray R Woodbury 
The following is a list of diseases, which 
have been documented in bison populations 
in North America. This list of diseases is short, 
not because bison have more resistance to 
disease than other species but because
 of the minimal amount of research that has been 
done on bison and bison diseases at this time.




Vor allem die ungeheuerliche Dezimierung
des Bestands vor
der Zeit der Büffeljäger
scheint noch Fragen offen zu lassen.




 Dieses Bild mag eine Vorstellung von der Grösse
der Bisonherden im frühen 19. Jahrhhundert
geben.
Ueber die  tatsächliche Anzahl  der Bisons
gehen die Schätzungen
recht grosszügig auseinander.
Man spricht von ca
40 Millionen Tieren um 1830.
 Die Zahl, wieviele davon
die Indianer jährlich
für den Eigenbedarf  jagten,
schwankt  ebenfalls
erheblich, zwischen
  450’ 00 bis zu 2 Millionen,
Wieviele zusätzlich an weisse
Händler verkauft wurden oder
durch weisse Jäger erlegt wurden
 ist schwer einzuschätzen.





Zwischen 1825 und 1830 soll die American
 Fur Company 785 000 Bisonhäute über den
Mississippi hinunter nach New
 Orleans  transportiert haben.
Zahlen, die durch die natürliche Vermehrung
der Herden aber immer noch
um ein mehrfaches aufgewogen  worden wären
und jedenfalls noch lange nicht die Abnahme der
Bestände
von angeblich 36 Millionen Tieren
im Jahr 1840 auf  5,5 Millionen im Jahr 1870 erklären,
wo die Massaker durch die Büffeljäger ihren
Höhepunkt noch vor sich hatten.






Maler wie Peter Rindisbacher,




Friedrich Kurz,




Karl Bodmer 






George Catlin und Andere






...haben die  Jagd auf den amerikanischen Bison i
durch die eingeborenen Indianer ,
wie auch durch weisse Jäger
zu jener Zeit
mehrfach dokumentiert.




Eine derartige Dezimierung der riesigen Herden
 mit diesen Jagdmethoden
scheint mir wenig glaubhaft.




Auch “effizientere”  Jagdmethoden,
wie die  "Buffalo Jumps",
bei denen Büffelherden über  hohe Felsklippen
getrieben wurden,...




... oder Präriebrände,erklären eine derart
massive Verringerung der Bestände nicht.




In diesen Zeitraum fallen aber auch 
verheerende Epidemien 
unter der Urbevölkerung durch von
Händlern und Schiffspassagieren
 eingeschleppten 
 Keime von Pocken,
Masern und Cholera .

Infektionskrankheiten
aus der alten Welt, denen
 die Indianer ohne jeden
Immunschutz ausgeliefert waren. 
In mehreren Epidemien gingen angeblich bis 
1877 gegen 80 Prozent der Indianer in den 
Flusssiedlungen und 45 Prozent der
 nomadisiernden Indianeren 
zugrunde.




So etwa das Volk der Mandan.
Aber auch grosse Teile der Pikuni ( Blackfeet)

Dass die Büffelpopulation aber ebenfalls 
anfällig auf eingeschleppte Erreger sein
 könnte, wurde offenbar
 kaum in Betracht gezogen.

Dr. Sierra Stoneberg Holt vermutet  gar
einen Zusammenhang zwischen
dem  Sterben der indianischen
Bevölkerung und dem Büffelsterben.
“When that management was removed,
the bison critically overpopulated
and damaged the vegetation. Then you
had crowded, starving bison in a
severely degraded range that
couldn’t begin to support them.
That meant that their immunity was gone,
 and epidemic could rage unchecked.
 The most fascinating thing is that tick
fever and anthrax both seem to be
native here. Bison had suffered from
them for maybe thousands of years
 without ever being driven extinct by them.
 But once they were no longer
 managed, once their range was
destroyed from neglect, then the
 weakened bison were wiped
 out by familiar diseases."

Es gibt  verstreute Hinweise 
auf mögliche Epidemien unter den Bisons.
In 1825 an epidemic destroyed 
all of the buffalo in
eastern Nebraska. The animals
 perished so rapidly that 
there was no provision
 for the Indian population 
in the area. Some of these 
people died of starvation, others
 from eating meat from infected animals. 
In 1858 another epidemic destroyed
 the buffalo in the Platte River
 Valley. The trail from 
Fort Laramie in eastern 
Wyoming to Fort Bridger in 
western Wyoming was noted as 
"one long offense to the nostrils." 
These epidemics 
occurred in areas where immigrants
 brought cattle through.




Auch der Trapper Yellowstone Luther 
Kelly beschrieb  ca 1867 Funde
 einer Herde, deren Tod ihm unerklärlich war.
 "Our course led over rolling prairie
 when we crossed a high and level plain 
which extended for many miles. 
The plain was covered with a thin coating of 
ice, and on all sides as far as the eye could 
reach was dotted with bodies of
 dead buffaloes. These animals were in
 good condition and bore no mark of bullet or 
arrow wounds. 
The cause of their death
 was a mystery to us. As we 
marched over the plain toward the valley
 of the Cheyenne, the appearance of
 so many carcasses scattered around 
made a strong impression on my mind, perhaps 
because they were the first 
buffaloes I had ever seen."




Mögliche Kontakte mit eingeschleppten Erregern
wären auch auf den grossen Trails denkbar,
( Oregon, Mormon, California, Santa Fe )
 die z.T. mitten durch das Herz des Büffellandes
führten.
Dabei wurden nebst Ochsen als Zugtiere ,
 wohl Milchküche, Schafe, Ziegen,
 und vermutlich auch Hühner und Schweine zum
Aufbau von Farmen, mitgeführt,




Auch bei den „Cattle Trails“ nach Kansas
sollen die für  die  Schlachthöfe Chicagos
bestimmten texanischen Longhorns 
verschiedene Krankheiten
verbreitet haben.

When the great trail drives began, bison
interacted with the cattle being driven from Texas.
"Buffaloes travel in a straight line. 
When they were moving and encountered a herd
 of Texas cattle they invariably bored right
 through the herd, turning neither to right nor
 left. It was just the same if but one or a
 dozen buffaloes were on the move — they 
walked straight through." –James H. Cook
 as told to Eli S. Ricker, May 23, 1907
The cattle infected the bison with new diseases: 
the dangerous brucellosis as well as Texas 
tick fever, which dramatically 
weakened the bison herds.




Sicher ist nur, dass wir es
 wohl nie sicher wissen werden.
Die Seuchentheorie wird
im Nachhinein  schwierig 
nachzuweisen oder zu
dokumentieren sein.


Möglicherweise wurde sie aber auch gar nie
ernsthaft in Betracht gezogen
und womöglich schwer unterschätzt?






Vielleicht werden Erfahrungen
mit den heute wieder
anwachsenden Herden darüber mehr 
Aufschluss geben können.